Das Urteil

Urteil, Landgericht Karlsruhe

Teil 1

Landgericht Karlsruhe

- Strafkammer 1 -

Im Namen des Volkes

URTEIL

Der Angeklagte Harry Wörz aus Birkenfeld wird wegen versuchten Totschlags zu der Freiheitsstrafe von 11 Jahren verurteilt. Er trägt die Kosten des Verfahrens und die notwendigen Auslagen der Nebenklägerin.

Gründe:

I.

Der Angeklagte Harry Wörz wurde am 03.05.1966 als zweites Kind des Friseurmeisters Horst W. und seiner Ehefrau Hannelore W., geb. R., in Birkenfeld geboren. Gemeinsam mit seiner 14 Monate älteren Schwester Elke wuchs er zunächst im Elternhaus auf. Im Jahr 1972 wurde die Ehe der Eltern geschieden; der Vater Horst W. bekam das Sorgerecht für den Angeklagten und seine Schwester zugesprochen. Der Angeklagte verblieb mit seiner Schwester nach der Scheidung der Eltern im Haushalt des Vaters, wo die Kinder, da der Vater berufstätig war, zum Teil von der Großmutter, zum Teil von einer Tante betreut wurden. Die Mutter des Angeklagten heiratete im Jahre 1973 zum zweiten Mal. Aus ihrer Ehe mit Otmar G. ging ein heute 24 Jahre alter Stiefbruder des Angeklagten hervor. Zuseiner Mutter, die mit ihrer Familie in Wildbad-Calmbach lebt, hat der Angeklagte nach wie vor einen guten Kontakt.
Nach altersentsprechender Einschulung besuchte der Angeklagte vier Jahre die Grundschule in Birkenfeld-Gräfenhausen und sodann bis zum Abschluß der 9. Klasse die Hauptschule in Birkenfeld. Er verließ die Schule mit dem Hauptschulabschluß und begann 1982 eine Ausbildung als Gas- und Wasserinstallateur bei der Firma Ganzhorn in Neuenbürg-Arnbach. Die Lehre beendete er nach vierjähriger Ausbildungszeit mit der erfolgreichen Ablegung der Gesellenprüfung. Anschließend arbeitete er noch etwa 1 Jahr lang in seinem erlernten Beruf, zunächst ca. vier Monate bei seiner Lehrfirma, sodann in einem Pforzheimer lnstallationsbetrieb. Der Angeklagte war dann einige Monate arbeitslos, bis er im Frühjahr 1988 eine neue Arbeitsstelle als Fahrer bei einer Speditionsfirma in Malsch fand. Diese Arbeitsstelle verlor er wieder, als er im Oktober 1988 einen Motorradunfall hatte, bei dem er schwer verletzt wurde. Das Endglied des linken Ringfingers und das Endglied des linken kleinen Fingers mußten amputiert werden. Aufgrund der bei diesem Unfall erlittenen Verletzungen war er längere Zeit erwerbsunfähig.
Ab 1991 ließ sich der Angeklagte in einem zweijährigen Umschulungslehrgang beim Berufsförderungswerk in Schömberg zum technischen Zeichner ausbilden. Anschließend erwarb er in einem sechsmonatigen Lehrgang an einem Karlsruher Schulungszentrum die Zusatzqualifikation als Bauzeichner. Nach Abschluß der Umschulung fand er keinen Arbeitsplatz, sondern war bis April 1996 arbeitslos. Er bezog in dieser Zeit zunächst Arbeitslosengeld, später Arbeitslosenhilfe.
Ab 01.05.1996 fand der Angeklagte dann eine Arbeitsstelle bei der Firma Schneeberger in Höfen (Kreis Calw), die Metallschienen herstellt. Bei dieser Firma war er bis zu seiner Verhaftung in vorliegender Sache als Hilfsarbeiter mit einem monatlichen Nettolohn von ca. 2.300,00 DM beschäftigt.
Am 23.09.1994 heiratete der Angeklagte Andrea Z., die zu diesem Zeitpunkt bereits von ihm schwanger war. Der gemeinsame Sohn Kai wurde am 06.03.1995 geboren. Ein Jahr nach der Geburt des Sohnes - im März 1996 - verließ Andrea Z. den Angeklagten und zog mit Kai aus der damaligen gemeinsamen Wohnung im Anwesen des Vaters des Angeklagten in Birkenfeld-Gräfenhausen aus. Einige Monate nach ihrem Auszug - die Eheleute Wörz lebten seitdem getrennt - reichte sie die Scheidung ein. Das Scheidungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.
Der Angeklagte ist ausweislich des Auszugs aus dem Bundeszentralregister nicht vorbestraft.
In vorliegender Sache wurde er am 29.04.1997 vorläufig festgenommen. Aufgrund Haftbefehls des Amtsgerichts Pforzheim vom 30.04.1997 befindet er sich seit diesem Tag ununterbrochen in Untersuchungshaft.

II.

Der Angeklagte und seine am 11.04.1971 in Pforzheim geborene Ehefrau Andrea kannten sich bereits seit ihrer gemeinsamen Jugendzeit in Birkenfeld. Andrea Z. ist als einziges Kind aus der Ehe ihrer Eltern, des Polizeibeamten Wolfgang Z. und der aus Slowenien stammenden Krankenschwester Marjetka Z.-B., hervorgegangen. Sie ist bei ihren Eltern aufgewachsen. Nach Abschluß ihrer Schulausbildung trat sie am 01.03.1991 bei der Bereitschaftspolizei Bruchsal in den Polizeidienst des Landes Baden-Württemberg ein, wechselte am 01.03.1993 nach ihrer Ausbildung in den Einzelpolizeidienst der Landespolizeidirektion Stuttgart II über und wurde am 01.09.1994 zur Polizeidirektion Pforzheim versetzt. Hier versah sie - im Rang einer Polizeimeisterin -ihren Dienst beim Polizeirevier Pforzheim-Süd. Nach der Geburt ihres Sohnes Kai am 06.03.1995 erhielt sie zunächst Erziehungsurlaub, nahm dann aber ab 01.11.1995 ihre Berufstätigkeit als Polizeimeisterin - halbtags - wieder auf. Sie wurde seit diesem Zeitpunkt auf dem Polizeirevier Pforzheim-Süd im Streifendienst eingesetzt.
Ab Sommer 1993 entwickelte sich die Bekanntschaft zwischen dem Angeklagten und Andrea Z. zu einer zunächst freundschaftlichen, dann auch intimen Beziehung. Andrea Z. wohnte zu dieser Zeit in der teilausgebauten Einliegerwohnung im Souterrain des Einfamilienhauses ihrer Eltern in Birkenfeld, der Angeklagte lebte mit seinem Vater in dessen Anwesen in Birkenfeld-Gräfenhausen. Nachdem Andrea Z. schwanger geworden war und am 23.09.1994 die Ehe mit dem Angeklagten geschlossen hatte, zog das junge Ehepaar gemeinsam in die Einliegerwohnung im Souterrain des Anwesens der Eltern von Andrea Z., die ihrerseits zum damaligen Zeitpunkt die Hauptwohnung des Einfamilienhauses in Birkenfeld bewohnten. Da die Einliegerwohnung dieses Hauses relativ klein war, zogen der Angeklagte und Andrea Z. um die Weihnachtszeit 1994 in das in Gräfenhausen gelegene, dem Vater des Angeklagten - Horst W. - gehörende Haus um. Sie bewohnten dort fortan - ab März 1995 gemeinsam mit dem Sohn Kai - die separate Dachgeschoßwohnung, während der Hauseigentümer Horst W. in einer Wohnung im ersten Obergeschoß lebte.
Die Beziehung zwischen dem Angeklagten und Andrea W. gestaltete sich nur im ersten Jahr des Zusammenlebens nach der Heirat harmonisch. Seit dem Spätjahr 1995 kam es zwischen den Eheleuten zunehmend zu Spannungen und Meinungsverschiedenheiten. Andrea Z., die seit 01.11.1995 wieder halbtags berufstätig war, mißfiel insbesondere, daß der damals arbeitslose Angeklagte ihrer Meinung nach zu wenig unternahm, um wieder eine Arbeitsstelle zu finden, und stattdessen "nur zu Hause herumsaß". Auch innerlich entfremdeten sich die Eheleute mehr und mehr. Zu intimen Kontakten zwischen ihnen kam es seit Februar 1996 nicht mehr. Eine Ursache dafür, daß Andrea Z. immer weniger für ihren Ehemann empfand, war auch der Umstand, daß sie sich etwa im Januar 1996 in ihren Kollegen Thomas H. verliebte. Der am 17.02.1959 geborene Thomas H., der seit 1981 als Polizeibeamter im Streifendienst beim Polizeirevier Pforzheim-Süd tätig ist, wurde Ende 1995 der sogenannte "Bärenführer" von Andrea Z.: Er erhielt Andrea Z. als Streifenpartnerin zugewiesen und hatte sie als Polizeihauptmeister auszubilden. Zwischen ihm und Andrea Z. entwickelte sich während der gemeinsamen Ausübung des Polizeidienstes ein zunehmend enger werdendes Verhältnis. Da sowohl Thomas H. verheiratet war - aus seiner 1983 mit Daniela H. geschlossenen Ehe stammten zudem zwei 13 und 10 Jahre alte Kinder - als auch Andrea Z. noch gebunden war, sahen beide jedoch zunächst von der Aufnahme intimer Beziehungen ab. Gleichwohl blieb es weder den Kollegen des Polizeireviers Pforzheim-Süd noch der Ehefrau von Thomas H. noch dem Angeklagten verborgen, daß sich zwischen Andrea Z. und Thomas H. eine Liebesbeziehung anzubahnen begann, ein Umstand, der sowohl in der Ehe zwischen Thomas und Daniela H. als auch in der Ehe von Andrea Z. und dem Angeklagten zu Spannungen und Konflikten führte.
Andrea Z. sah schließlich in ihrer Ehe mit dem Angeklagten keine Zukunft mehr. Sie entschloß sich, ihren Mann zu verlassen. Im März 1996, kurz nach dem ersten Geburtstag des gemeinsamen Sohnes Kai, setzte sie ihren Entschluß in die Tat um, verließ mit ihrem Sohn die ehegemeinschaftliche Wohnung im Dachgeschoß des Anwesens des Vaters des Angeklagten in Gräfenhausen und zog mit Kai wieder zu ihren Eltern in deren Haus in Birkenfeld. Dort bewohnte sie zunächst - wie schon früher - die im Souterrain gelegene Einliegerwohnung. Die Eheleute Wörz lebten fortan getrennt. Während der Angeklagte weiterhin in der Dachgeschoßwohnung im Anwesen seines Vaters wohnte, verzog Andrea Z. Ende Mai 1996 in ein im Schönblick in Birkenfeld gelegenes Reihenhaus, das ihr Vater Wolfgang Z. für sie und ihren Sohn erworben hatte.
Die Beziehung zwischen Andrea Z. und ihrem Kollegen Thomas H. hatte sich nach der Trennung der Eheleute Wörz intensiviert und zu einem echten Liebesverhältnis entwickelt. Thomas H. lebte jedoch in einem ständigen Gefühlskonflikt; einerseits liebte er Andrea Z., andererseits wollte er seine Familie - seine Ehefrau Daniela, für die er nach wie vor eine starke Zuneigung empfand, und seine Kinder - nicht aufgeben. Andrea Z. andererseits drängte nicht auf eine Entscheidung, sie akzeptierte den Gefühlszwiespalt bei Thomas H. und war bereit, die Entwicklung abzuwarten.
Für den Angeklagten allerdings empfand Andrea Z. nur noch wenig. Die Möglichkeit der Aussöhnung mit ihm und der Fortsetzung der Ehe kam für sie nach ihrem Auszug aus der ehegemeinschaftlichen Wohnung im März 1996 immer weniger in Betracht, was sie dem Angeklagten auch klar machte. Der Angeklagte akzeptierte dies notgedrungen. Er wollte vor allem den Kontakt zu seinem Sohn Kai auch nach der Trennung nicht abreißen lassen, wofür Andrea Z. Verständnis hatte. So einigte man sich schließlich darauf, daß der Angeklagte in zweiwöchigem Abstand jeweils samstags seinen Sohn bei Andrea Z. abholen und mit ihm den Tag verbringen durfte. Im übrigen gestaltete sich die Beziehung zwischen den getrennt lebenden Eheleuten Wörz zwar nicht spannungsfrei, aber -jedenfalls nach außen hin - ohne gravierende Konflikte. Zwar kam es vor allem in der Anfangsphase des Getrenntlebens zu gelegentlichen Meinungsverschiedenheiten über die Verteilung der Hausratsgegenstände, die Andrea Z. bei ihrem Auszug aus der ehegemeinschaftlichen Wohnung vollständig dort zurückgelassen hatte, doch konnten solche Streitpunkte unter wechselseitiger Einschaltung von Rechtsanwälten letztlich im wesentlichen sachlich erörtert werden. Zu erheblichen verbalen Auseinandersetzungen oder gar Handgreiflichkeiten zwischen den Eheleuten Wörz kam es jedenfalls nicht. Der Angeklagte widersetzte sich auch dem Scheidungsbegehren seiner Ehefrau, das diese mit Schriftsatz ihrer Prozeßbevollmächtigten vom 25.11.1996 schließlich gerichtlich anhängig gemacht hatte, nicht.
Während Andrea Z. ihre Liebesbeziehung zu Thomas H. nach ihrem Auszug aus der ehegemeinschaftlichen Wohnung fortgesetzt hatte, hatte der Angeklagte ab Sommer 1996 ein Verhältnis zu der damals 24-jährigen ledigen Bürokauffrau Claudia F. aufgenommen. Der Angeklagte und Claudia F., die sich schon seit vielen Jahren kannten, lebten zwar nicht in einer gemeinsamen Wohnung, unterhielten jedoch seit Sommer 1996 eine intime Beziehung und verbrachten zumindest die meisten Wochenenden gemeinsam.
Im Februar 1997 tauschten Andrea Z. und ihre Eltern ihre Wohnungen. Andrea Z. verzog vom Schönblick in Birkenfeld in die Erdgeschoßwohnung des Einfamilienhause, während ihre Eltern in das im Schönblick gelegene Reihenhaus umzogen. Allerdings übernachtete Wolfgang Z., der Vater von Andrea Z., auch nach dem Wohnungstausch sehr häufig in der Einliegerwohnung des Einfamilienhauses.
Andrea Z. begann damit, die von ihr gemeinsam mit ihrem Sohn Kai seit Februar 1997 bewohnte Erdgeschoßwohnung des Anwesens in Birkenfeld nach und nach zu renovieren; sie plante dort auch einige Umbaumaßnahmen. Dem Angeklagten war der Wohnungstausch bekannt. Er mußte seinen Sohn seit Februar 1997 bei seiner Frau in Birkenfeld abholen, wenn er ihn samstags zu sich nehmen wollte.
Am Montag, den 28.04.1997, hatte Andrea Z. dienstfrei. Wie sie diesen Tag verbracht hat, konnte im einzelnen nicht mehr festgestellt werden. Fest steht, daß Andrea Z. mit ihrem Sohn Kai am 28.04.1997 gegen 18.00 Uhr ihre Mutter Marjetka Z.-B. im Anwesen Schönblick in Birkenfeld besuchte. Da Kai alsbald müde wurde, verließ sie bereits gegen 18.30 Uhr ihre Mutter wieder und kehrte in ihre Wohnung zurück, wo sie ihren kleinen Sohn zu Bett brachte. Um 20.24 Uhr rief Andrea Z. ihre Mutter an und erkundigte sich danach, ob und gegebenenfalls wann ihr Vater Wolfgang Z., der an diesem Tag Geburtstag hatte, noch bei ihr vorbeikommen werde. Tatsächlich suchte Wolfgang Z. seine Tochter Andrea etwa um 21.30 Uhr in ihrer Wohnung auf. Andrea Z. war mit Kai allein in der Wohnung. Sie bügelte zu dieser Zeit verschiedene Kleidungsstücke im Wohnzimmer, der 2-jährige Sohn Kai schlief bereits fest in dem im Schlafzimmer befindlichen Doppelbett. Nachdem Andrea Z. ihrem Vater zum Geburtstag gratuliert, ihm einen selbstgebackenen Geburtstagskuchen und ein Geschenk überreicht und man sich noch eine Weile angeregt unterhalten hatte, verabschiedete Wolfgang Z. sich von seiner Tochter und begab sich gegen 22.30 Uhr über die von der Erdgeschoßwohnung in den Keller führende Treppe in die im Souterrain gelegene Einliegerwohnung, in der er an diesem Tag übernachten wollte. Da er am nächsten Tag Frühdienst hatte, legte er sich sogleich ins Bett und schlief alsbald ein.
Auch Andrea Z. begab sich - zu einem nicht mehr genau feststellbaren Zeitpunkt - in der Folgezeit zu Bett. Sie schlief wie immer in der der Eingangstür zum Schlafzimmer zugewandten, vom Fußende aus gesehen linken Hälfte des Doppelbettes, während ihr Sohn Kai in der anderen, der Hausaußenwand zugewandten Hälfte des Bettes lag.
Der Angeklagte, der die Nacht vom 27. auf 28.04.1997 gemeinsam mit seiner Freundin Claudia F. in seiner Wohnung in Gräfenhausen verbracht hatte, hatte in der ab 28.04.1997 beginnenden Arbeitswoche "Frühschicht". Er arbeitete Montag, den 28.04.1997, ab 6.00 Uhr bei der Firma Schneeberger in Höfen und beendete seine Arbeit an diesem Tag - mit Erlaubnis seines Arbeitgebers - etwas früher als gewohnt, nämlich gegen 13.15 Uhr, weil er noch einen Zahnarzttermin wahrzunehmen hatte, er fuhr nach Birkenfeld-Gräfenhausen, wo er sich in der Zeit von 14.00 Uhr bis ca. 14.35 Uhr einer zahnärztlichen Behandlung durch seinen Zahnarzt Dr. L. unterzog. Nachdem er sich im Anschluß an diese Behandlung knapp zwei Stunden in seiner Wohnung aufgehalten hatte, fuhr er gegen 16.30 Uhr mit seinem Pkw nach Pforzheim, da er um 17.00 Uhr in der Kanzlei der Rechtsanwälte Schindhelm und Kollegen einen Besprechungstermin mit seiner ihn im Scheidungsverfahren vertretenden Rechtsanwältin Ulrike W. hatte. Bei dieser Besprechung, die von 17.00 Uhr bis 17.30 Uhr stattfand, ging es in erster Linie um die Frage, ob und wie ein vom Angeklagten gewünschtes erweitertes Umgangsrecht mit seinem Sohn Kai gerichtlich durchgesetzt werden könnte. Der Angeklagte wollte erreichen, daß Kai an den sonnabendlichen Besuchstagen auch einmal bei ihm übernachtet, womit Andrea Z. nicht einverstanden war. Nachdem Rechtsanwältin W. die Möglichkeit aufgezeigt hatte, ein solches erweitertes (Umgangsrecht in einem einstweiligen Verfügungsverfahren zu realisieren, gleichzeitig jedoch aufgrund der von ihr insoweit skeptisch beurteilten Erfolgsaussichten hiervon abgeraten hatte, erklärte sich der Angeklagte mit dem Vorschlag seiner Anwältin einverstanden, die von ihm gewünschte Erweiterung des Umgangsrechts mit seinem Sohn Kai im familiengerichtlichen Hauptverfahren anzustreben.
Nach Beendigung der Besprechung mit seiner Anwältin fuhr der Angeklagte mit seinem Pkw in die Amalienstraße in Pforzheim, wo er seinen Bekannten Guido K. aufsuchte. Mit Guido K. hatte er am Vortag telefonisch vereinbart, daß er ihm beim Abschleppen eines Oldtimerfahrzeugs behilflich sein wollte. Kurz vor 18.00 Uhr fuhren Guido K. und der Angeklagte von der Wohnung aus mit dem Pkw des Guido K. nach Hamberg, wo der "Oldtimer" Guido K. in einer Garage untergestellt war. Gemeinsam schleppten sie sodann - der Angeklagte am Steuer des Pkw seines Bekannten, Guido K. am Steuer des "Oldtimers" - das Oldtimerfahrzeug nach Pforzheim und stellten es dort in einer in der Westlichen Karl-Friedrich-Straße gelegenen Garage ab. Anschließend fuhren sie mit dem Pkw des Guido K. zurück in die Amalienstraße und von dort aus - nunmehr mit dem Pkw VW-Passat des Angeklagten - gemeinsam in die Gaststätte "Exil" in Pforzheim-Brötzingen, wo sie gegen 19.15 Uhr eintrafen. Der Angeklagte nahm dort ein alkoholfreies Getränk zu sich, verließ die Gaststätte zwischen 19.30 Uhr und 20.00 Uhr wieder und fuhr auf direktem Weg zurück nach Birkenfeld-Gräfenhausen. Er stellte seinen Pkw VW-Passat (amtliches Kennzeichen: PF-K 5251) nicht vor dem Hausgrundstück seines Vaters, sondern - etwa 200 m von diesem Anwesen entfernt -auf einer Kuppe in der Kettelbachstraße in Gräfenhausen ab, weil er mit seinem schon älteren Pkw in der Vergangenheit gelegentlich "Startprobleme" gehabt hatte und er sicherstellen wollte, daß der Pkw beim Abrollenlassen an einer abschüssigen Stelle auf jeden Fall anspringt. Sodann lief der Angeklagte vom Abstellort des Pkw zum Anwesen und begab sich in seine im Dachgeschoß gelegene Wohnung. Er aß zu Abend und führte in der Folgezeit von seiner Wohnung aus noch mehrere Telefonate mit verschiedenen Bekannten, u.a. mit seiner Freundin Claudia F. Um 21.15 Uhr wurde der Angeklagte von seinem Bekannten Gerhard M. aus Bretten angerufen. Gerhard M. wollte den Angeklagten zu seiner Hochzeit einladen. Er unterhielt sich mit dem Angeklagten insgesamt knapp 52 Minuten, wobei der Inhalt des Telefonats ohne Belang war. Weitere Telefonanrufe gingen in der Folgezeit - bis zum 29.04.1997 gegen 2.00 Uhr - auf dem Telefonanschluß des Angeklagten nicht ein; ob der Angeklagte seinerseits von seinem Anschluß aus in dieser Zeit andere Personen angerufen hat, konnte nicht festgestellt werden. Ebensowenig konnte festgestellt werden, was der Angeklagte nach Beendigung seines Telefonats mit Gerhard M. gegen 22.07 Uhr am 28.04.1997 bis gegen 2.00 Uhr am 29.04.1997 gemacht hat.
Etwa um 2.00 Uhr am 29.04.1997 verließ der Angeklagte seine Wohnung, begab sich zu Fuß zu seinem ca. 200 m entfernt in der Kettelbachstraße abgestellten Pkw und fuhr mit seinem Pkw zu dem etwa 3,5 km entfernten Wohnviertel in Birkenfeld, in dem das von Andrea Z. bewohnte Anwesen liegt. In diesem Wohngebiet stellte der Angeklagte seinen Pkw an einer nicht genau feststellbaren, jedenfalls unweit des Grundstücks befindlichen Stelle ab und begab sich sodann zu Fuß zum Anwesen. Er führte eine weiße Plastiktüte im Format ca. 20 x 30 cm mit sich. In dieser Plastiktüte befanden sich neben einem olivfarbenen Dreieckhalstuch, einem weiteren baumwollenen, olivfarbenen rechteckigen 520 mm x 480 mm großen Taschentuch ein Latexeinweghandschuh und zwei Vinyleinweghandschuhe sowie eine Zigarettenschachtel der Marke "Marlboro" (rot) und eine Zigarettenschachtel der Marke "Marlboro-Lights" (weiß). Die "weiße" Marlboro-Lights-Schachtel enthielt sieben durchsichtige, verschweißte Plastiktütchen mit jeweils 1 g Amphetamin. In der "roten" Marlboro-Schachtel befanden sich 3 aufgeschnittene, mit braunem Klebeband an der Schnittstelle wieder zugeklebte Folienbeutelchen ohne Inhalt.
Nachdem der Angeklagte - diese Plastiktüte mit dem genannten Inhalt bei sich führend -das Anwesen erreicht hatte, begab er sich zu der zur im Souterrain des Einfamilienhauses gelegenen Einliegerwohnung führenden Eingangstür, welche sich in der der Straße abgewandten Giebelwand des Hauses befindet. Mit einem in seinem Besitz befindlichen Schlüssel schloß er die Eingangstür zur Einliegerwohnung auf, betrat das Haus, zog die Eingangstür ins Schloß und verschloß sie wieder mit seinem Schlüssel. Ohne Licht zu machen stieg er sodann die vom Souterrain/Kellerbereich in das Erdgeschoß des Hauses führende Treppe hinauf, stellte die von ihm mitgeführte weiße Plastiktüte unmittelbar vor der Verbindungstür zwischen Kellertreppe und Erdgeschoßwohnung - noch im Bereich des Treppenabgangs auf der von unten gesehen linken Treppenseite - ab, öffnete die unverschlossene zur Erdgeschoßwohnung führende Tür und gelangte so in den Wohnungsflur der Erdgeschoßwohnung. Nachdem er die Tür zur Kellertreppe wieder geschlossen hatte, wandte er sich nach links und betrat durch die vom Wohnungsflur abgehende Tür das zum Garten hin gelegene Schlafzimmer, in dem Andrea Z. auf der der Schlafzimmertür zugewandten Hälfte des dort befindlichen Doppelbettes lag und schlief.
Welches Geschehen sich nun genau im Schlafzimmer abspielte, konnte nicht festgestellt werden. Fest steht aber, daß Andrea Z. aus dem Schlaf erwachte, die Nachttischlampe einschaltete und den in ihrem Schlafzimmer befindlichen Angeklagten erkannte. Zwischen ihr und dem Angeklagten kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung, deren konkreter Anlaß und Inhalt ebensowenig im einzelnen feststeht wie deren exakte Dauer. Jedenfalls rief der Angeklagte im Rahmen dieser Auseinandersetzung in einem lauten, erregt drohenden Tonfall aus: "Ich bring Dich um. ich schlag Dich tot. Mit mir kannst Du das nicht machen!" Andrea Z. antwortete hierauf mit weinerlicher Stimme: "Was willst Du denn von mir?! Ich hab Dir doch nichts getan. Mach mir doch nichts!"
Der Angeklagte, der jedenfalls jetzt an seinen Händen Einweghandschuhe aus Vinylmaterial trug oder diese anzog, entschloß sich zu einem nicht mehr genau feststellbaren Zeitpunkt zwischen 2.16 Uhr und spätestens 2.31 Uhr, seine Ehefrau Andrea Z. zu töten. Er ergriff einen in der Wohnung von Andrea Z. an einem näher nicht mehr bestimmbaren Ort aufbewahrten Wollschal, trat auf Andrea Z. zu, die sich zu diesem Zeitpunkt entweder noch auf der von ihr benutzten Hälfte des Doppelbettes befand oder die das Bett bereits verlassen hatte und unmittelbar vor der Längsseite des Bettes stand, und schlang den Wollschal einmal fest um ihren Hals. Sodann überkreuzte er die beiden Enden des Wollschals, die er jeweils mit einer Hand festhielt, im Bereich unterhalb des rechten Ohres von Andrea Z. und zog die so überkreuzten, möglicherweise auch verdrillten Enden des Schals mit aller Gewalt zusammen. Andrea Z., der die Luftzufuhr abgeschnitten wurde, versuchte, sich gegen den Drosselungsangriff zu wehren. Dies gelang ihr nicht. Der Angeklagte setzte die Drosselung mit aller Kraft fort. Durch die hierdurch aufrechterhaltene Abschnürung der Atemluftzufuhr kam es bei der nur mit einem rosaroten T-Shirt bekleideten Andrea Z. in der Folge zu einer reflexartigen Veränderung des Schließmuskeltonus und hierdurch zu einem unwillkürlichen Urinabgang. Schließlich verlor Andrea Z. aufgrund des Sauerstoffmangels das Bewußtsein. Der Angeklagte verbrachte seine Ehefrau während des ca. 3 bis 5 Minuten andauernden Drosselungsangriffs aus dem Schlafzimmer in den Wohnungsflur der Erdgeschoßwohnung, wo Andrea Z. schließlich unmittelbar vor der Tür zum Abgang in das Untergeschoß (Keller) zu liegen kam. Ob Andrea Z. noch im Schlafzimmer bewußtlos geworden und zu Boden gefallen ist und der Angeklagte sie sodann in den Wohnungsflur hinausgeschleift hat, oder ob es zu der Verlagerung des Geschehens aus dem Schlafzimmer in den Wohnungsflur im Verlauf des fortdauernden Drosselungsangriffs des Angeklagten und der vergeblichen Gegenwehr von Andrea Z. gekommen ist, konnte nicht mehr festgestellt werden.
Der Eintritt des Erstickungstodes bei Andrea Z., von dem der Angeklagte ausging, wurde allein durch das Eingreifen des, Vaters von Andrea Z., Wolfgang Z., verhindert. Wolfgang Z. nämlich war in seinem Bett im Schlafzimmer der Souterrain-Wohnung aufgrund der durch das Tatgeschehen in der Erdgeschoßwohnung verursachten "Rumpel-Geräusche" aus dem Schlaf erwacht und hatte sich durch einen Blick auf seine Armbanduhr davon überzeugt, daß es exakt 2.34 Uhr war. Er glaubte zunächst, daß seine Tochter, die in diesen Tagen gelegentlich Renovierungsarbeiten in der Erdgeschoßwohnung durchführte, zu nachtschlafender Zeit Möbel in der oberen Wohnung hin und her rücke. Da er an diesem Tag Frühdienst hatte, war er über die "nächtliche Ruhestörung" leicht verstimmt und entschloß sich, nach oben zu gehen und seine Tochter zu bitten, mit dem "Möbelrücken" aufzuhören. Wolfgang Z. stand deshalb auf und ging die zum Erdgeschoß führende Treppe hinauf. Sein Versuch, die nicht abgeschlossene, zum Flur der Erdgeschoßwohnung hin aufgehende Tür zu öffnen, scheiterte. Es gelang ihm lediglich, das Türblatt ein wenig aufzudrücken, bevor es auf Widerstand stieß. Durch den Türspalt erkannte er die Beine seiner auf dem Boden liegenden Tochter, gegen die das Türblatt gestoßen war. Erschrocken rief Wolfgang Z. aus: "Andrea, was ist denn los". In diesem Moment schlug der Angeklagte, der das Heraufkommen von Wolfgang Z. bemerkt hatte, die Tür kräftig zu. Wolfgang Z. wurde durch das Türblatt am Kopf getroffen und torkelte einen Schritt zurück. Ihm war in diesem Augenblick klargeworden, daß sich in der Erdgeschoßwohnung eine Person aufhielt, die seine Tochter angegriffen hatte. Um seiner Tochter zur Hilfe kommen zu können, versuchte er erneut, die Kellerabgangstür aufzudrücken, was ihm jedoch nicht gelang, da der Angeklagte sich von innen, also vom Wohnungsflur aus, gegen das Türblatt stemmte. Wolfgang Z. entschloß sich daraufhin, in seine Souterrainwohnung zurückzugehen und über das schnurlose Telefon, das er dort vermutete, die Polizei zu verständigen. Um den von ihm nicht erkannten Eindringling in der Erdgeschoßwohnung einzuschüchtern, rief er laut aus: "Ich hole jetzt meine Dienstwaffe und dann erschieße ich dich" und lief sodann die Treppe hinab. Noch bevor er im Kellerbereich die Souterrainwohnung erreicht hatte, fiel ihm ein, daß sich das schnurlose Telefon nicht dort, sondern in der Erdgeschoßwohnung befand. Er kehrte sogleich um und lief erneut die Treppe zum Erdgeschoß hinauf. Diese kurze Zeitspanne zwischen dem Hinabgehen Wolfgang Z.s in den Keller und dessen Rückkehr nutzte der Angeklagte zur Flucht. Er verließ das Haus durch die nicht abgeschlossene Haupteingangstür der Erdgeschoßwohnung, lief unbemerkt zu seinem in der Nähe des Anwesens abgestellten Pkw und fuhr mit diesem nach Birkenfeld-Gräfenhausen zurück. Dort stellte er seinen Pkw wieder auf der Kuppe in der Kettelsbachstraße ab, lief zu dem etwa 200 m entfernten Anwesen seines Vaters und begab sich in seine Dachgeschoßwohnung, die er vor 2.55 Uhr erreichte und bis zu seiner Festnahme am 29.04.1997 um 5.25 Uhr nicht mehr verließ.
Wolfgang Z. war es nach seiner Rückkehr aus dem Keller in das Erdgeschoß gelungen, die zum Erdgeschoßflur aufgehende Tür etwas weiter zu öffnen, wobei er mit dem Türblatt die Beine seiner auf dem Boden liegenden Tochter leicht verschob. Er zwängte sich durch den Türspalt und fand seine Tochter auf dem Flurboden im Erdgeschoß in Rückenlage liegend vor. Der Wollschal war fest um ihren Hals geschlungen. Mit erheblicher Mühe gelang es Wolfgang Z., die Schlinge zu lösen und Andrea Z. von dem Drosselwerkzeug zu befreien. Da er keine Atmung feststellen konnte, begann er sogleich mit Wiederbelebungsversuchen und führte eine Mund-zu-Mund-Beatmung durch. Nachdem dies nach seinem Dafürhalten erfolglos geblieben war, und er keine Lebenszeichen bei seiner Tochter hatte feststellen können, lief er in das Wohnzimmer der Erdgeschoßwohnung, verständigte über das dort befindliche Telefon um 2.40 Uhr die Notrufzentrale der Polizeidirektion Pforzheim und bat um sofortige Alarmierung eines Notarztes. Um 2.43 Uhr rief er erneut die polizeiliche Notrufzentrale an, Bei diesem Telefonat äußerte er den Verdacht, daß es sich bei dem Angriff auf seine Tochter um eine Beziehungstat handele, für die als Täter entweder Thomas H. oder Harry Wörz eventuell in Betracht kämen.
Wenige Minuten später trafen Polizei und Notarzt am Tatortanwesen ein. Andrea Z., die nach wie vor bewußtlos war, aber jetzt röchelte, wurde notfallärztlich behandelt, intubiert, künstlich beatmet und sodann in das Siloah-Krankenhaus Pforzheim eingeliefert, wo sie auf der Intensivstation untergebracht wurde.
Aufgrund des Hinweises Wolfgang Z.s auf Thomas H. und Harry Wörz als mögliche Täter sowie aufgrund des Umstands, daß die am Tatort eintreffenden Polizeibeamten keinerlei Einbruchsspuren feststellen konnten, wurde durch die Einsatzleitung der Polizei die sofortige Observation der Wohnanwesen sowohl von Thomas H. als auch von Harry Wörz veranlaßt. Das Wohnanwesen des Angeklagten in Birkenfeld-Gräfenhausen wurde daraufhin ab 2.55 Uhr durch Polizeibeamte observiert. Den etwa 200 m von dem Anwesen entfernt in der Kettelbachstraße abgestellten Pkw VW-Passat des Angeklagten nahmen die Polizeibeamten nicht wahr.
Um 5.12 Uhr rief KHK Maischein in der Wohnung des Angeklagten an und hinterließ auf dem sich einschaltenden Anrufbeantworter die Nachricht, der Angeklagte möge die Polizei "in einer seine Ehefrau betreffenden Angelegenheit" zurückrufen. Dieser Rückruf erfolgte dann um 5.17 Uhr. KHK Maischein teilte dem Angeklagten mit, daß mit seiner Ehefrau etwas passiert sei, er, der Angeklagte, möge aus dem Haus kommen, wo Polizeibeamte ihn bereits erwarten würden. Nachdem der Angeklagte nachgefragt hatte, ob dies "ein Witz sei", erklärte KHK Maischein ihm, daß dem nicht so sei und er, der Angeklagte, doch wisse, daß er die Telefonnummer der Pforzheimer Polizei angewählt habe. Der Angeklagte sagte daraufhin zu, das Haus zu verlassen. Er beendete das Telefonat, begab sich auf den Balkon seiner Dachgeschoßwohnung und sah, daß auf der Straße mehrere Polizeibeamte warteten, denen er zurief, er komme gleich aus dem Haus. Sodann begab er sich wieder in seine Wohnung und rief seinen Arbeitskollegen Jochen Ö. an, dem er mitteilte, daß er ihn nicht wie verabredet an diesem Morgen in seinem Pkw zur Arbeitsstelle bei der Firma Schneeberger mitnehmen könne. Anschließend verließ der Angeklagte das Haus und ließ sich am 29.04.1997 um 5.25 Uhr durch die vor dem Anwesen wartenden Polizeibeamten widerstandslos festnehmen.
Andrea Z., die nach der Tat zunächst in das Siloah-Krankenhaus in Pforzheim eingeliefert worden war, wurde am Nachmittag des 30.04.1997 auf die Intensivstation des Städtischen Klinikums Pforzheim verlegt. Am 01.05.1997 konnte dort die sedierende Medikation abgesetzt und Andrea Z. bei suffizienter Spontanatmung extubiert werden. Es wurde bei ihr eine diffuse, d.h. nicht lokalisierte, allgemeine hypoxämische cerebrale Schädigung (allgemeine Schädigung der Gehirnzellen durch Sauerstoffmangel) mit gravierenden neurologischen sowie psychopathologischen Ausfallerscheinungen festgestellt. Am 10.06.1997 wurde Andrea Z. in das Neurologische Fach- und Rehabilitationskrankenhaus Allensbach (Kliniken Schmieder) verlegt, wo sie stationär bis 11.09.1997 behandelt wurde. Seit 11.09.1997 bis heute wird die Rehabilitationsbehandlung von Andrea Z. stationär im Rehabilitationszentrum Karlsbad-Langensteinbach fortgeführt.
Die durch die zeitweilige Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr verursachte hypoxische Hirnschädigung hat bei Andrea Z. bis heute andauernde schwerste gesundheitliche Schäden hervorgerufen. Von den fortdauernden gravierenden neurologischen Ausfallerscheinungen sind in erster Linie zu nennen eine hochgradige spastische Tetraparese, eine schwere Schluckstörung, die eine künstliche Ernährung mittels einer durch die Magenwand gelegten Magensonde erforderlich macht, eine vollständige Inkontinenz sowie erhebliche Gefühlsstörungen. Im psychopathologischen Bereich kam zu einem bis heute fortbestehenden Verlust des sprachlichen Artikulationsvermögens. Andrea Z. kann weder sprechen noch komplexe Sprachinhalte verstehen. Ihre Gedächtnisfunktionen, ihre Aufmerksamkeit, die Konzentrationsfähigkeit und ihr Antrieb sind nach wie vor auf das Schwerste beeinträchtigt. Ein Stehen ist inzwischen mit Unterstützung durch mehrere Hilfspersonen möglich, auch eine Umlagerung aus dem Krankenbett in den Rollstuhl.
Obwohl seit der Behandlung von Andrea Z. im Rehabilitationszentrum Karlsbad-Langensteinbach ab 11.09.1997 in bescheidenem Umfang gewisse Verbesserungen zu beobachten sind - Andrea Z. scheint mittlerweile zu etwas differenzierteren Reaktionen imstande zu sein, ihre Wachheits- und Aufmerksamkeitsphasen dauern nun länger an, auch ihre sogenannte Blickkontaktfähigkeit scheint zugenommen zu haben -, ist die Zukunftsprognose nicht günstig. Andrea Z. wird für immer "ein Pflegefall" bleiben. Von einer dauerhaften funktionellen Beeinträchtigung der Arme und Beine ist auszugehen. Ob überhaupt und gegebenenfalls in welchem Maße je wieder Gehen oder Stehen bzw. Einzelfunktionen im Bereich der Arme und Hände möglich sein werden, ist erst in etwa 2 Jahren abschätzbar. Gleiches gilt für die Frage einer möglichen Nahrungsaufnahme über den Mund sowie für die Frage einer eventuellen Besserung der geistigen Fähigkeiten. Mit gravierenden bleibenden Schäden ist auf dem Gebiet der Kommunikation zu rechnen, d.h. bei der - momentan noch überhaupt nicht möglichen -verbalen Artikulation, beim Niveau der - eventuell einmal möglich werdenden -sprachlichen Äußerung, bei der Wahrnehmung und Verarbeitung des Wahrgenommenen. Höhere kognitive Leistungen werden aller Voraussicht nach auch künftig nicht möglich sein.

III.

Der Angeklagte hat seine Täterschaft wie überhaupt seine Anwesenheit am Tatort zur Tatzeit bestritten. Er hat sich in der Hauptverhandlung dahingehend eingelassen, daß er am 28.04.1997 alsbald nach Beendigung des mit seinem Bekannten Gerhard M. geführten Telefonats gegen 22.07 Uhr zu Bett gegangen sei und geschlafen habe. Er habe sich die ganze Nacht über in seiner Wohnung im Anwesen in Birkenfeld-Gräfenhausen aufgehalten, bis er am Morgen des 29.04.1997 um 5.25 Uhr vor seinem Haus durch die Polizei verhaftet worden sei. Mit der Tat habe er nicht das geringste zu tun.
Die Einlassung des Angeklagten ist nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme widerlegt. Der Angeklagte hat die Tat zum Nachteil seiner Ehefrau Andrea Z. begangen.
Im Einzelnen:
Die unter II. getroffenen Feststellungen zum Tatgeschehen als solchem, zu Tatort und Tatzeit beruhen auf einer zusammenfassenden Würdigung der nachfolgend dargestellten Beweisergebnisse und Schlußfolgerungen:

a)

Es steht zunächst fest, daß Andres Z. mit einem Strangulationswerkzeug über einen Zeitraum von 3 bis 5 Minuten bis zur Bewußtlosigkeit gedrosselt worden ist.
Die rechtsmedizinische Sachverständige Dr. Gisela Zimmer, Institut für Rechtsmedizin, die Andrea Z. am 30.04.1997 auf der Intensivstation des Städt. Klinikums Pforzheim untersucht hat, hat in ihrem in jeder Hinsicht nachvollziehbaren und überzeugenden Gutachten in der Hauptverhandlung ausgeführt, daß sie bei ihrer Untersuchung am 30.04.1997 am Vorderhals der damals immer noch bewußtlosen Andrea Z. etwa in Höhe des Kehlkopfes eine bandförmig horizontal verlaufende Drosselmarke festgestellt habe. Diese sei rechts wesentlich ausgeprägter gewesen als links und habe aus kleinen punktförmigen Blutungen mit kleinen Oberhautabschürfungen und Vertrocknungen bestanden. Deutlich erkennbar sei gewesen, daß diese Drosselmarke auf beiden Halsseiten jeweils hinter den Ohreingängen geendet habe. An der rechten Halsseite habe die Drosselmarke kleinere Aussparungen aufgewiesen und sei in diesem Bereich ca. 1 bis 1,5 cm breit gewesen, während ihre Breite an den übrigen Stellen etwa 0,5 cm betragen habe. Die Verbreiterung an der rechten Halsseite - in Verlängerung der rechten Ohreingangslinie gelegen -lasse den Schluß zu, daß das Strangulationswerkzeug im Bereich unterhalb des rechten Ohres überkreuzt und dann dort entweder verdrillt oder verknotet worden sei, was wiederum die weitere Schlußfolgerung nahelege, daß der Täter sich rechts neben Andrea Z. befunden habe, als er das Strangulationswerkzeug zugezogen habe. Der Umstand, daß an den rückwärtigen Anteilen des Halses keine Drosselmarke erkennbar gewesen sei, lasse sich zwanglos damit erklären, daß dort die kräftigen Kopfhaare des Opfers zwischen Haut und Drosselwerkzeug gelangt seien, so daß eine Marke auf der Haut nicht habe entstehen können.
Zur Zeitdauer des Strangulationsvorgangs hat die Sachverständige weiter ausgeführt, daß die Drosselung durch den Täter mindestens 3 Minuten, sehr wahrscheinlich jedoch 5 Minuten lang durchgeführt worden sei. Die bei Andrea Z. aufgetretenen neurologischen und psychopathologischen Schäden seien nur bei einer derart lang andauernden Sauerstoffmangelversorgung des Gehirns erklärbar. Ohne die Andrea Z. alsbald nach der Tat zuteil gewordende ärztliche Hilfe hätten die Verletzungen - so die Sachverständige abschließend - zum Tode geführt. Aufgrund dieses Gutachtens der rechtsmedizinischen Sachverständigen Dr. Zimmer, an deren überragender Sachkunde nicht die geringsten Zweifel bestehen und die der Kammer aus vielen Schwurgerichtsverfahren als zuverlässige Gutachterin bekannt ist, steht fest, daß Andrea Z. mindestens 3, sehr wahrscheinlich Jedoch 5 Minuten lang mit einem ihr um den Hals gelegten Strangulationswerkzeug gedrosselt worden ist.
Während dieses Drosselvorgangs ist sie bewußtlos geworden. Der am 29.04.1997 gegen 2.50 Uhr im Tatortanwesen eintreffende Arzt Dr. Michael Jütte, der die ärztliche Erstversorgung vornahm, hat - wie er bei seiner Vernehmung glaubhaft bekundet hat - Andrea Z. in bewußtlosem Zustand vorgefunden.

b)

Das Strangulationswerkzeug, das der Täter zur Drosselung verwendet hat, war ein ca. 120 cm langer, ca. 8 cm breiter, beige-grauer Wollschal. Dieser Wollschal wurde am 29.04.1997 im Rahmen der Spurensicherung am Tatort auf dem Steinfußboden des Flurs der Erdgeschoßwohnung unmittelbar vor dem Abgang in das Untergeschoß liegend aufgefunden und durch KHK Perplies gesichert, wie dieser glaubhaft ausgesagt hat. An diese Stelle war der Schal durch Wolfgang Z., den Vater von Andrea Z., gelegt worden. Der Zeuge Wolfgang Z. hat voll glaubhaft insoweit bekundet, daß er, nachdem er seine Tochter bei seiner Rückkehr aus dem Untergeschoß in bewußtlosem Zustand in Rückenlage auf dem Fußboden des Erdgeschoßflurs liegend aufgefunden habe, unverzüglich den um den Hals seiner Tochter geschlungenen Wollschal gelöst habe, was nur mit erheblicher Mühe gelungen sei. Der Schal sei sehr straff um den Hals gewickelt gewesen, wobei er, der Zeuge, heute nicht mehr sagen könne, ob er verdrillt oder verknotet gewesen sei. Jedenfalls habe er, nachdem er seine Tochter endgültig von dem Strangulationswerkzeug befreit gehabt habe, den Schal unmittelbar neben sie auf den Fußboden gelegt, und zwar an die Stelle, an der er später durch die Kriminalpolizei gesichert worden sei.
Die rechtsmedizinische Sachverständige Dr. Zimmer hat in ihrem Gutachten in der Hauptverhandlung überzeugend ausgeführt, daß das von ihr am Hals des Opfers festgestellte Spurenbild sich zwanglos erklären lasse durch eine Drosselung, die mittels des sichergestellten Wollschals vorgenommen worden sei.
Aufgrund der glaubhaften Aussage des Zeugen Wolfgang Z., der seine Tochter von dem um ihren Hals geschlungenen Schal befreit hat, sowie der gutachterlichen Ausführungen der rechtsmedizinischen Sachverständigen Dr. Zimmer hat die Schwurgerichtskammer die sichere Oberzeugung gewonnen, daß der von der Kriminalpolizei sichergestellte Wollschal, der auf dem Steinfußboden des Erdgeschoßwohnungsflurs unmittelbar vor dem Abgang in das Untergeschoß lag, das Strangulationswerkzeug war, daß der Täter zur Drosselung von Andrea Z. eingesetzt hat.
Diesen Wollschal hat der Täter bei seinem Eindringen in das Anwesen nicht mit sich geführt, sondern er befand sich schon seit geraumer Zeit im Tatortanwesen. Die Zeugin Hannelore G. hat bei ihrer Vernehmung glaubhaft ausgesagt, daß sie diesen Schal selbst gestrickt und ihrem Enkel Kai zum Osterfest 1996 geschenkt habe; er habe den Schal dann auch des öfteren getragen. Aufgrund der glaubhaften Aussage der Zeugin Marjetka Z.-B., der Mutter von Andrea Z., steht ferner fest, daß sich der für Kai bestimmte Wollschal seit dem Umzug von Andrea Z.und Kai in die Erdgeschoßwohnung des Hauses dort befand. An welcher Stelle Andrea Z. den Schal in ihrer Wohnung aufbewahrte, konnte die Zeugin Marjetka Z.-B. nicht angeben.

c)

Es steht weiter fest, daß der Tötungsangriff auf Andrea Z. in ihrem Schlafzimmer begonnen und daß sich das Tatgeschehen dann aus dem Schlafzimmer hinaus in den Wohnungsflur verlagert hat bis unmittelbar vor die Tür am Abgang zum Untergeschoß, wo Andrea Z. schließlich bewußtlos lag.
Für den Beginn des Angriffs mit dem Wollschal als Strangulationswerkzeug im Schlafzimmer spricht eindeutig der objektive Tatortspurenbefund.
Nach der glaubhaften Aussage des Zeugen KHK Perplies, der am 29.04.1997 gegen 3.50 Uhr im Tatortanwesen eintraf und die ersten Spurensicherungsmaßnahmen vornahm, steht fest, daß das Doppelbett im Schlafzimmer von seinem ursprünglichen Standort insgesamt etwas verschoben worden war. Das Bettgestell war an dem linken Kopfende von der Zimmerwand etwa 18 cm abgerückt, während das rechte Kopfteil des aus Holz bestehenden Bettgestells gewaltsam gegen einen Elektrostecker gedrückt worden war, der sich in einer unmittelbar neben dem Bett installierten Wandsteckdose befand. Durch den Anstoß an diesen Stecker war die linke Anschlußdose des Doppelsteckeranschlusses leicht beschädigt worden; ein kleines Teil der Kunststoffsteckdosenumrandung war abgesplittert.
Ferner steht fest, daß sich auf dem Fußboden des Schlafzimmers Urinantragungen befanden, die von Andrea Z. stammten. Nach der glaubhaften Aussage des Zeugen KHK Perplies wurden im Schlafzimmer von Andrea Z. unmittelbar seitlich neben der von ihr benutzten Hälfte des Doppelbetts auf dem Fußboden sekretverdächtige Antragungen festgestellt, die sich in einer Art Wischspur in Richtung Schlafzimmereingangstür hinzogen. Diese Antragungen - so der Zeuge KHK Perplies weiter - seien mittels Vliesabriebs gesichert und an das Landeskriminalamt Baden-Württemberg zur Untersuchung weitergeleitet worden.
Ausweislich des in der Hauptverhandlung am 15.01.1998 gemäß § 251 Abs. 2 StPO verlesenen Gutachtens des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, Kriminaltechnisches Institut, vom 21.08.1997 ergab die vom Sachverständigen Dipl.-Chemiker Dr. Metzulat durchgeführte dünnschichtchromatographische Untersuchung der mittels Vliesabrieben gesicherten Proben eindeutig den Nachweis von Kreatinin und Harnstoff, welche regelmäßige Bestandteile des Urins sind.
Die rechtsmedizinische Sachverständige Dr. Zimmer hat schließlich in ihrem in der Hauptverhandlung erstatteten Gutachten überzeugend ausgeführt, daß es bei Menschen, bei denen durch eine Drosselung die Atemluftzufuhr unterbunden werde, sehr häufig zu einem durch Veränderung des Schließmuskeltonus verursachten unwillkürlichen Urinabgang komme. Aufgrund dieses Beweisergebnisses steht für die Kammer fest, daß der Täter sein Opfer Andrea Z. schon im Schlafzimmer mit dem als Strangulationswerkzeug verwendeten Wollschal gedrosselt hat. Bei diesem Drosselungsangriff kam es bei Andrea Z., die lediglich mit einem T-Shirt bekleidet war und keinen Slip trug, zu einem unwillkürlichen Urinabgang im Bereich zwischen dem Doppelbett und der Schlafzimmertür.
Das Tatgeschehen hat sich dann vom Schlafzimmer in den Wohnungsflur verlagert. Andrea Z. wurde schließlich von ihrem Vater Wolfgang Z. in bewußtlosem Zustand auf dem Rücken liegend im Wohnungsflur der Erdgeschoßwohnung unmittelbar vor dem Abgang in den Keller aufgefunden. Ob Andrea Z.durch die Drosselung bereits im Schlafzimmer bewußtlos geworden und zu Boden gefallen ist und sodann vom Täter in den Wohnungsflur hinausgeschleift wurde, oder ob sich das Tatgeschehen im Verlauf des fortdauernden Drosselungsangriffs und der vergeblichen Gegenwehr von Andrea Z. aus dem Schlafzimmer in den Wohnungsflur verlagert hat, konnte nicht mehr festgestellt werden.

d)

Fest steht hingegen, daß der Täter bei der Tatdurchführung Einweghandschuhe aus Vinylmaterial trug.
Der Zeuge KHK Perplies hat glaubhaft ausgesagt, daß im Rahmen der am 29.04.1997 erfolgten Spurensicherung im Tatortanwesen zwei abgerissene Fingerlingteile von Einweghandschuhen aufgefunden worden seien. Ein Fingerlingteil habe auf dem Flurboden im Erdgeschoß unmittelbar vor der der Kellerabgangstür gegenüberliegenden Flurwand gelegen. Das zweite Fingerlingteil sei nach dem Aufschlagen der Bettdecke auf dem Bettlaken der von Andrea Z. benutzten Hälfte des Doppelbetts im Schlafzimmer gefunden worden. Die Fingerlingteile seien jeweils gesichert und an das Landeskriminalamt Baden-Württemberg zur Durchführung kriminaltechnischer Untersuchungen weitergeleitet worden.
Der Sachverständige Dipl.-Chemiker Dr. Karpf - Kriminaltechnisches Institut des Landeskriminalamts Baden-Württemberg - hat in seinem in der Hauptverhandlung erstatteten Gutachten ausgeführt, daß er u.a. diese beiden Fingerlingteile einer materialvergleichenden Untersuchung unterzogen habe. Nach einer Entnahme kleiner Materialproben mittels Skalpells seien die Proben durch Pyrolyse-Gaschromatographie mit massenselektivem Detektor (Pyrolyse-GC-MSD) analysiert worden. Dabei sei festgestellt worden, daß es sich bei dem Material, aus dem die Fingerlingteile bestünden, um stark weichmacherhaltiges PVC (Polyvinylchlorid) gehandelt habe. Bezüglich der genauen Materialzusammensetzung habe eine vergleichende Untersuchung ferner ergeben, daß zwischen beiden Fingerlingteilen völlige Materialgleichheit bestanden habe.
Aufgrund dieses in jeder Beziehung überzeugenden und nachvollziehbaren Gutachtens des Sachverständigen Dr. Karpf steht fest, daß es sich bei den beiden am Tatort - im Schlafzimmer auf dem Bett und im Flur auf dem Fußboden - aufgefundenen Fingerlingteilen um von ein und demselben Einweghandschuh bzw. von zwei materialgleichen Einweghandschuhen aus Vinylmaterial abgerissene Fragmente handelt.
Ein weiteres Indiz dafür, daß der Täter bei der Drosselung von Andrea Z. Einweghandschuhe aus Vinylmaterial getragen hat, stellen die an den Außenseiten dieser Fingerlingteile festgestellten Hautpartikelspuren dar.
Der Sachverständige Dr. Förster, Dipl.-Biologe beim Kriminaltechnischen Institut des Landeskriminalamts Baden-Württemberg hat die beiden sichergestellten Fingerlingteile sowie u.a. die von Andrea Z. stammende Vergleichsblutprobe unter Anwendung des PCR-Verfahrens einer DNA-Analyse unterzogen, wobei sowohl von den Außenseiten als auch von den Innenseiten der Fingerlingteile Vliesabriebe gefertigt wurden.
Wie der Sachverständige Dr. Förster in der Hauptverhandlung zu den Grundlagen der DNA-Analyse ausgeführt hat, beruhe die DNA-Analyse, die eine nähere Charakterisierung menschlichen genetischen Materials ermögliche, auf einer Analyse nicht codierender Bereiche der menschlichen DNA, welche bei verschiedenen Individuen durch eine hohe Variabilität gekennzeichnet seien. Die Desoxyribonukleinsäure (DNS bzw. englisch: DNA), ein im Zellkern lokalisiertes, spiralig gedrehtes Fadenmolekül, setze sich aus zwei strickleiterartig miteinander verknüpften Strängen zusammen, welche jeweils aus einer Aneinanderreihung der vier Nukleotide Adenosin, Cytidin, Guanidin und Thymidin (A, C, G und T) bestünden und aufgrund der charkteristischen Paarbildung der Nukleotide A - T und C - G beide eine komplementäre Nukleotidsequenz aufwiesen. In den codierenden Bereichen der menschlichen DNA bestimme die Reihenfolge dieser vier Grundbausteine den genetischen Code und somit die Erbinformation des Menschen. Ca. 95 % der menschlichen DNA beinhalte demgegenüber keine genetische Information. Diese nicht codierenden Bereiche seien durch eine häufige Wiederholung bestimmter Nukleotidsequenzen gekennzeichnet, wobei die Häufigkeit der Wiederholung bei unterschiedlichen Menschen sehr vielgestaltig sei. Diesen Polymorphismus mache sich die in der Kriminaltechnik zur Anwendung kommende DNA-Analyse zunutze.
Bei der Untersuchung der Vliesabriebe und der Vergleichsblutprobe sei, so der Sachverständige Dr. Förster weiter, u.a. eine Untersuchung der Fragment-Längenpolymorphismen der amplifizierten D1 S 80 -, vWa -, TH01 -, FES/FPS, FGA und SE 33 - Regionen vorgenommen worden. Dieses als PCR-Anlayse (polymerase chain reaction) bezeichnete Verfahren, für das bereits eine geringe Menge Spuren-DNA ausreiche, beruhe darauf, daß polymorphe Teilbereiche der menschlichen DNA, welche durch sogenannte Startermoleküle - kleine DNA-Fragmente mit bekannter Sequenz, die sich an beiden Flanken der zu amplifizierenden Teilbereiche anlagerten - definiert seien, in einer zyklischen Kettenreaktion identisch vermehrt werden. Mittels einer Agarosegel-Elektrophorese könnten sodann Aussagen über die Größen der vermehrten DNA-Teilstücke gemacht werden. Um die PCR-Analyse durchführen zu können, seien die jeweiligen Zellen von den Vliesabrieben sowie aus dem Vergleichsblut zunächst durch einen Proteinase K-Verdau aufgeschlossen und die DNA durch eine Phenol-Chlorophorm-Extraktion sowie eine anschließende Ethanolfällung isoliert worden. Sodann sei die Qualität und Quantität der gewonnenen DNA elektrophoretisch überprüft worden. Anschließend seien die polymorphen Bereiche D 1 S 80, VWA, TH 01, FES/FPS, FGA und SE 33 der isolierten DNA in computergesteuerten Kettenreaktionen vermehrt worden. Nachdem die Menge der amplifizierten DNA in einer kurzen Elektrophorese abgeschätzt worden sei, habe man die amplifizierten Fragmente zusammen mit einem Längenstandard in Agarosegel elektrophoretisch der Größe nach aufgetrennt und sodann mit Silberfärbung gefärbt. Für das System SE 33 sei dabei ein Elektrophoresegerät der Firma ABI mit automatischer Auswertung eingesetzt worden. Das auf diese Weise erhaltene Strichmuster, welches durch das konservierte silbergefärbte Gel dokumentiert werde, erlaube eine Zuordnung der Banden der untersuchten DNA-Proben zu den Banden des als Längenstandard mit aufgetrennten Größenmarkers.
Der Sachverständige Dr. Förster hat hinsichtlich der angewandten Untersuchungsmethotik schließlich überzeugend erläutert, daß bei den DNA-Untersuchungen zur Vermeidung von Analysefehlern, etwa durch laborbedingte Kontaminationen durch Fremd-DNA etc., ein striktes Kontrollsystem eingehalten werde. Jeder Analyseschritt werde außer von dem Untersuchenden selbst von einer zweiten Person kontrolliert und protokolliert. Darüber hinaus fänden jeweils parallele Untersuchungen mit Leerproben statt, um möglichen Verunreinigungen mit fremder DNA auf die Spur zu kommen. Bei den an der Vergleichsblutprobe von Andrea Z. sowie den Vliesabrieben durchgeführten Laboruntersuchungen hätten sich keinerlei Unregelmäßigkeiten oder Auffälligkeiten ergeben. Ein Analysefehler sei somit mit Sicherheit auszuschließen.
Zu den Ergebnissen seiner Untersuchungen hat der Sachverständige Dr. Förster in der Hauptverhandlung im einzelnen ausgeführt, daß die Untersuchung der von Andrea Z. stammenden Vergleichsblutprobe folgende Merkmalskombination für Andrea Z. ergeben habe:

D 1 S 80 18/28
FGA 18/23
SE 33 (29.2)/30.2
TH01 9/9.3
vWA 16/17
FES/FPS 11

An den Vliesabrieben von den Außenseiten beider Fingerlingteile seien folgende Merkmalskombinationen nachgewiesen worden:

Außenseite des Fingerlingteils, welches im Bett aufgefunden wurde:

D 1 S 80 18/28
FGA 18/23
SE 33 (29.2)/30.2
TH01 9/9.3
vWA 16/17
FES/FPS 11

 

Außenseite des Fingerlingteils, welches auf dem Erdgeschoßflurfußboden aufgefunden wurde:

 

D1 S 80 18/28
FGA 18/(22)/23
SE33 24.2/25.2/(29.2)/30.2
TH01 9/9.3
vWA 16/17
FES/FPS 11

 

Zur Interpretation dieser Befunde hat der Sachverständige Dr. Förster weiter ausgeführt, daß der Vliesabrieb von der Außenseite des im Schlafzimmer der Tatortwohnung im Bett aufgefundenen Fingerlings ausschließlich die Merkmale des Tatopfers Andrea Z. und keinerlei Hinweise auf einen zweiten Verursacher zeige, weshalb Andrea Z. - mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit - als Verursacherin der Zellantragungen in Betracht käme.
Der Vliesabrieb von der Außenseite des im Erdgeschoßflur sichergestellten Fingerlingteils zeige wiederum alle Merkmale von Andrea Z. und weitere Merkmale. Es handele sich insoweit um eine Mischspur. Da alle Merkmale von Andrea Z. in dieser Mischspur enthalten seien, käme sie hier als Mitspurenverursacherin der Mischspur in Betracht.
Das Schwurgericht hat sich diesen überzeugenden und widerspruchsfreien Ausführungen des Sachverständigen Dr. Förster nach eigener Überprüfung in vollem Umfang angeschlossen. Es ist im übrigen ausgeschlossen, daß die sichergestellten beiden Fingerlingteile von dritten Personen - Polizeibeamten, Notarzt, Rettungssanitätern - an den Stellen, an denen sie aufgefunden wurden, zurückgelassen worden sind. Alle in der Hauptverhandlung vernommenen Polizeibeamten, die mit der Spurensicherung im Tatortanwesen befaßt waren, haben glaubhaft angegeben, daß sie - soweit sie bei der Spurensicherung Einweghandschuhe getragen hätten - diese Einweghandschuhe jeweils ordnungsgemäß außerhalb des Hauses entsorgt hätten, im übrigen sei bei keinem von ihnen ein Einweghandschuh durch ein Abreißen eines Fingerlingteils beschädigt worden. Auch die in der Hauptverhandlung zu dieser Frage vernommenen Zeugen Marco M., Dominic S., Siegfried E., Sebastian P. und Harold W., die als Rettungssanitäter in der Tatnacht zur Erste-Hilfe-Leistung mit verschiedenen Ambulanzfahrzeugen zum Tatortanwesen gefahren sind, haben übereinstimmend und voll glaubhaft ausgesagt, daß die Fingerlingteile nicht von den von ihnen getragenen Einweghandschuhen stammen könnten, da ihre Einweghandschuhe bei dem Einsatz allesamt unbeschädigt geblieben seien. Schließlich hat auch der Zeuge Dr. Jütte, der im Tatortanwesen die ärztliche Erstversorgung von Andrea Z. vorgenommen hat, bei seiner Vernehmung glaubhaft ausgeschlossen, daß die genannten Fingerlingteile von den von ihm getragenen Einweghandschuhen stammen würden.
Aufgrund einer Gesamtwürdigung dieser Beweistatsachen -
----- des Umstands, daß zwei materialidentische, von einem Vinyleinweghandschuh oder von zwei Vinyleinweghandschuhen abgerissene Fingerlingteile im Tatortanwesen gerade an der Stelle aufgefunden wurden, an der der Tötungsangriff auf Andrea Z. begann (im Schlafzimmer), und dort, wo das Tatgeschehen endete (im Erdgeschoßflur),
----- des Umstands, daß an den Außenseiten beider Fingerlingteile zellhaltiges Material nachgewiesen werden konnte, für das das Opfer Andrea Z. als Spurenverursacherin in Betracht kommt
----- sowie des Umstands, daß ausgeschlossen ist, daß die Fingerlingteile von dritten Personen an den Stellen, an denen sie im Tatortanwesen aufgefunden wurden, zurückgelassen wurden -
steht zur sicheren Überzeugung des Schwurgerichts fest, daß der Täter, als er Andrea Z. mit dem Wollschal drosselte, Einweghandschuhe aus Vinylmaterial trug.

e)

Der Drosselungsangriff auf Andrea Z., welcher mindestens drei Minuten, sehr wahrscheinlich jedoch fünf Minuten andauerte, ist am 29.04.1997 in der Zeit zwischen ca. 2.16 Uhr und 2.34 Uhr erfolgt; eine noch genauere Tatzeitbestimmung war nicht möglich.
Daß der Angriff in dem genannten Zeitraum stattgefunden hat, ergibt sich aus den Aussagen der Zeugen Rudolf K. und Wolfgang Z.
Der Zeuge Rudolf K., der in Birkenfeld eine im ersten Obergeschoß gelegene Wohnung bewohnt, hat in der Hauptverhandlung glaubhaft ausgesagt, daß er am 28.04.1997 gegen 22.20 Uhr zu Bett gegangen sei. Sein Bett befinde sich unmittelbar neben dem Schlafzimmerfenster, welches in jener Nacht in Kippstellung arretiert und bei welchem der Rolladen nicht heruntergelassen gewesen sei. Durch die Fenster sowohl seines Schlafzimmers als auch seines Wohnzimmers habe man einen freien Blick auf die nördliche und westliche Seite, insbesondere auf die Terrasse des Hauses, welches nach seiner Schätzung etwa 30 bis 40 m vom seinem Anwesen entfernt liege. In der fraglichen Nacht sei er - so der Zeuge Rudolf K. weiter - dadurch aus dem Schlaf erwacht, daß er eine - aus der Richtung des Anwesens kommende - laute Männerstimme gehört habe. Die Stimme, die ganz eindeutig einem Mann zuzuordnen gewesen sei, habe in erregtem Ton laut ausgerufen: "Ich bring Dich um, ich schlag Dich tot! Mit mir kannst Du das nicht machen!" Sekunden später habe er, der Zeuge, eine weinerlich-wimmemde Frauenstimme gehört; die Frau habe gerufen: "Was willst Du denn von mir!? Ich habe Dir doch nichts getan. Mach mir doch nichts!"
Anschließend habe er - so der Zeuge Rudolf K. - noch einige Wortfetzen vernommen, die er jedoch inhaltlich nicht mehr verstanden habe. Dann sei es ruhig gewesen. Er sei noch kurz im Bett liegengeblieben, dann jedoch - ein wenig beunruhigt - aufgestanden und habe aus dem Schlafzimmerfenster in Richtung des Anwesens geschaut, aus dem die Stimmen gekommen seien. Bei seinem Blick auf die Terrasse des Hauses habe er gesehen, daß der Rolladen an der Terrassentür des Wohnzimmers nicht ganz herabgelassen gewesen sei, durch den Spalt zwischen Boden und dem unteren Ende des Rolladens der verglasten Terrassentür habe er einen Lichtschein wahrgenommen. Stimmen oder sonstige Geräusche habe er nicht mehr gehört. Er habe dann kurz die Toilette aufgesucht, sei anschließend in das Kinderzimmer seiner Wohnung gegangen und habe von dort durch das Fenster auf die Straße hinausgeschaut, wo er jedoch nichts Auffälliges bemerkt habe. Sodann habe er aus dem Küchenfenster auf den sogenannten Wendehammer der Erlenstraße geblickt, auf dem er seinen Pkw abgestellt gehabt habe; auch dort habe er nichts Besonderes festgestellt. Schließlich habe er sich in das Wohnzimmer begeben, von dort aus nochmals auf das Grundstück geschaut, ohne dort weitere Auffälligkeiten feststellen zu können. Im Wohnzimmer habe er sich durch einen Blick auf die Digitaluhr seines Videorecorders vergewissert, daß es exakt 2.18 Uhr gewesen sei. Nachdem er sodann wieder zu Bett gegangen und eingeschlafen sei, sei er um 2.48 Uhr erneut erwacht, weil er laute Stimmen aus den eingeschalteten Polizeifunkgeräten gehört habe, die vom Anwesen gekommen seien.
Diese in sich widerspruchsfreien Bekundungen des Zeugen Rudolf K. erschienen der Kammer in jeder Beziehung glaubhaft. Der Zeuge, der in der Hauptverhandlung eindringlich zu seinen Beobachtungen befragt worden ist, hat zuverlässig bestätigt, daß er sicher sei, daß die von ihm gehörten Stimmen, die er mit Gewißheit, ohne sie identifizieren zu können, einem Mann und einer Frau zuordnen könne, vom Anwesen gekommen seien, als er sie in seinem Schlafzimmer wahrgenommen habe. Darüber hinaus sei er sich heute absolut sicher, daß es sich um eine reale Wahrnehmung und nicht etwa um ein Traumerlebnis seinerseits gehandelt habe.
Daß der Zeuge Rudolf K. aus dem Tatortanwesen dringende Stimmen im Schlafzimmer seiner Wohnung im ersten Obergeschoß des Hauses bei gekipptem Fensterflügel akustisch wahrnehmen und differenzieren konnte, ist im übrigen durch die kriminalpolizeilichen Ermittlungen bestätigt worden. Nach der glaubhaften Aussage des Zeugen KOK Kühner beträgt die von ihm mittels eines elektronischen Lasergerätes gemessene Entfernung zwischen dem Schlafzimmerfenster der Wohnung des Zeugen Rudolf K. und der Schlafzimmerterrassentür der Erdgeschoßwohnung des Anwesens exakt 31 m. Die Terrassentür des Schlafzimmers von Andrea Z. war in der Tatnacht - wie die Zeugen KHK Perplies und Wolfgang Z. glaubhaft ausgesagt haben - in Kippstellung arretiert, der vor der Terrassentür außen angebrachte Kunststoffrolladen war herabgelassen.
Hinsichtlich der akustischen Wahrnehmungsmöglichkeiten des Zeugen Rudolf K. in seiner Wohnung ist durch die Kriminalpolizei Pforzheim im Beisein des Zeugen Rudolf K. am 30.04.1997 eine "Rekonstruktion" durchgeführt worden. Dabei wurden um 22.45 Uhr durch den Zeugen KOK Kühner - wie dieser glaubhaft angegeben hat - von ihm und KHK Stöhr die Sätze, die der Zeuge Rudolf K. in der Tatnacht nach seinen Angaben in seinem Schlafzimmer gehört hat, im Schlafzimmer von Andrea Z. gerufen, wobei die Terrassentür in Kippstellung gebracht und der Rolladen heruntergelassen worden war. Die von KOK Kühner und KHK Stöhr gerufenen Sätze konnten nach der vollglaubhaften Aussage des Zeugen Rudolf K., der sich zu diesem Zeitpunkt im Beisein von KK Bischoff im Schlafzimmer seiner im ersten Obergeschoß des Hauses gelegenen Wohnung aufhielt, ohne weiteres gehört und inhaltlich verstanden werden, wobei wiederum das Schlafzimmerfenster seiner Wohnung bei hochgezogenem Rolladen - wie in der Tatnacht - in Kippstellung arretiert war.
Damit steht zur Überzeugung des Schwurgerichts fest, daß der Tötungsangriff auf Andrea Z. am 29.04.1997 zu einem - näher nicht mehr bestimmbaren - Zeitpunkt ab ca. 2.16 Uhr begonnen hat. Denn etwa um 2.16 Uhr hat der Zeuge Rudolf K. - berücksichtigt man die Zeitspanne zwischen dem von ihm Gehörten und seinem Blick auf die Digitaluhr seines Videorecorders im Wohnzimmer um exakt 2.18 Uhr - die Fragmente des zwischen einer männlichen und einer weiblichen Person geführten Dialogs wahrgenommen, dessen Inhalt sich im übrigen zwanglos als die verbale "Vorstufe" eines sodann von dem männlichen Täter auf Andrea Z. durchgeführten Angriffs interpretieren läßt.
Daß das Tatgeschehen spätestens um 2.34 Uhr geendet hat, ergibt sich aus der Aussage des Zeugen Wolfgang Z.. Der Zeuge Wolfgang Z. hat glaubhaft bekundet, daß er, nachdem er durch "Poltergeräusche" im Erdgeschoß aus dem Schlaf erwacht sei, auf seiner Armbanduhr festgestellt habe, daß es genau 2.34 Uhr gewesen sei. Nach wenigen Sekunden sei er dann aufgestanden, habe sein im Souterrain gelegenes Schlafzimmer verlassen und sei die Treppe zur Erdgeschoßwohnung hinaufgestiegen. Sein Versuch, die nicht abgeschlossene, zum Flur der Erdgeschoßwohnung hin aufgehende Tür ganz zu öffnen, sei dann gescheitert. Er habe das Türblatt lediglich ein wenig aufdrücken können, durch den Spalt allerdings sogleich die Beine seiner auf dem Flurboden liegenden Tochter erkannt. Dann sei die Tür wieder zugeschlagen worden.
Nach dieser glaubhaften Aussage des Zeugen Wolfgang Z. kann die Uhrzeit 2.34 Uhr als spätester Zeitpunkt für die Beendigung des Drosselungsangriffs des Täters auf Andrea Z. angenommen werden. Bereits um 2.40 Uhr erfolgte dann, nachdem der Zeuge Wolfgang Z. seine Tochter von dem Strangulationswerkzeug befreit und Wiederbelebungsversuche durchgeführt hatte, die erste telefonische Alarmierung der Funkleitzentrale der Polizeidirektion Pforzheim durch den Zeugen Wolfgang Z., wie der Zeuge PHM Heinz, der die Telefonnotrufe des Zeugen Wolfgang Z. entgegengenommen hat, glaubhaft bekundet hat.
Weitere Feststellungen zum Ablauf des Tatgeschehens konnten in der Hauptverhandlung nicht getroffen werden.
Eine Vernehmung der Geschädigten Andrea Z. als Zeugin war ebensowenig möglich wie eine zeugenschaftliche Vernehmung ihres jetzt 2 Jahre und 10 Monate alten Sohnes Kai, der mit hoher Wahrscheinlichkeit während des Angriffs auf seine Mutter im Schlafzimmer erwacht ist und den Tatablauf zumindest teilweise gesehen hat. Von Andrea Z. wäre weder bei einer Vernehmung in der Hauptverhandlung noch bei einer - von der Schwurgerichtskammer erwogenen - Vernehmung außerhalb der Hauptverhandlung in dem Krankenhaus, in dem sie derzeit stationär untergebracht ist, eine verwertbare Aussage zu erwarten gewesen. Dies ergibt sich eindeutig aus den gutachterlichen Ausführungen der Sachverständigen Dr. Edeltraud Herb. Die Sachverständige, Fachärztin für Neurologie, die als Oberärztin seit 11.09.1997 die behandelnde Ärztin von Andrea Z. im Rehabilitationszentrum Karlsbad-Langensteinbach ist, hat in der Hauptverhandlung überzeugend ausgeführt, daß eine sinnvolle Verständigung mit Andrea Z. aufgrund ihrer durch die Drosselung erlittenen Hirnschädigung unmöglich sei. Andrea Z. könne nicht sprechen. Davon abgesehen sei Andrea Z. aber auch nicht in der Lage, selbst einfache an sie gerichtete Fragen auch nur gedanklich zu verstehen. Andrea Z. könne derzeit höchstens einfachste Aufforderungen - wie etwa die Aufforderung, die Augen zu öffnen - befolgen, wobei auch dies keineswegs durchgängig der Fall sei. Bei einer Befragung von Andrea Z. sei von ihr - wenn überhaupt - allenfalls eine mimische Reaktion zu erwarten, die in ihrem Bedeutungsgehalt, da nicht feststellbar sei, auf was sie sich beziehe, keiner Interpretation zugänglich sei. Im übrigen sei aus medizinischer Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, daß bei Andrea Z. bezüglich des Tatgeschehens eine Amnesie vorliege, wenn dies auch wegen der fehlenden Kommunikationsmöglichkeit nicht zu verifizieren sei. Daß bezüglich des gesundheitlichen Zustandes von Andrea Z. künftig eine Verbesserung eintrete die eine sinnvolle Verständigung mit ihr möglich erscheinen ließe, sei nicht zu erwarten.
Die Kammer hat sich diesen nachvollziehbaren und überzeugenden Ausführungen der Sachverständigen Dr. Herb, an deren Sachkunde keinerlei Zweifel bestehen, nach eigener Überprüfung in vollem Umfang angeschlossen. Sie hat deshalb von einer Vernehmung der Geschädigten Andrea Z. als Zeugin abgesehen.
Auch von dem Versuch einer Vernehmung von Kai, dem Sohn von Andrea und Harry Wörz, hat die Kammer Abstand genommen. Aufgrund des in der Hauptverhandlung am 16.01.1998 gemäß § 251 Abs. 2 StPO verlesenen Gutachtens der Sachverständigen Dipl.-Psychologin Erika Hochreither vom 09.08.1997 steht fest, daß auch der am 06.03.1995 geborene Kai bei einer Vernehmung als Zeuge keine verwertbare Aussage zum Tatgeschehen hätte machen können. Die Sachverständige Hochreither hat - wie sie in ihrer psychologischen Stellungnahme vom 09.08.1997 im einzelnen dargelegt hat - Kai am 01.05.1997 in" der Wohnung seiner Großeltern, der Eheleute Z., aufgesucht und "exploriert". Dabei hat sie festgestellt, daß Kai in intellektueller und psychosozialer Hinsicht altersentsprechend entwickelt gewesen sei. Der Junge habe sich damals gerade am Beginn des Spracherwerbs befunden und sei nur sehr eingeschränkt artikulationsfähig gewesen. Auf die vorsichtige Frage, ob die "Mama" ein "Aua" gehabt habe, habe der Junge auf seinen Fuß gedeutet, die Frage, ob "Mama" noch an einer anderen Stelle ein "Aua" gehabt habe, habe er zwar bejaht, jedoch eine Lokalisierung nicht vornehmen können. Auf die Frage, wo "Mama" das "Aua" gehabt habe, habe der Junge beunruhigt reagiert, so daß man daraus schließen könne, daß bei ihm eine Erinnerung an ein aggressives Erlebnis in Bezug auf die Mutter aufgekommen sei. Ob dies jedoch als ein kurz oder lange zurückliegendes Erlebnis einzustufen sei, ließe sich allerdings bei einem so jungen Kind nach entwicklungspsychologischen Erkenntnissen nicht eruieren. Zusammenfassend - so die Sachverständige Hochreither in ihrem Gutachten abschließend - sei davon auszugehen, daß der 2-jährige Kai aufgrund seiner dem Lebensalter und seinem Entwicklungsstand entsprechenden fehlenden Aussagetüchtigkeit keine verwertbaren Angaben zum Tatgeschehen machen könne. Die bei dem Explorationsversuch von dem Kind gezeigten Verhaltensweisen ließen sich nicht eindeutig interpretieren.
Die Kammer hat sich diesen nachvollziehbaren und widerspruchsfreien gutachterlichen Ausführungen der Sachverständigen, die auch als klinische Psychologin tätig ist und an deren Sachkunde keine Zweifel bestehen, nach eigener Überprüfung angeschlossen. Es steht somit fest, daß Kai als zur Tatzeit gerade 2-jähriges Kind noch nicht die Fähigkeit besaß, einen Sachverhalt wie das Tatgeschehen zu erfassen und zuverlässig in Erinnerung zu behalten. Seine Vernehmung als Zeuge kam deshalb nicht in Betracht.
Nach alledem steht fest, daß ein männlicher Täter, der bei der Tatdurchführung Vinyleinweghandschuhe trug, Andrea Z. am 29.04.1997 in der Zeit zwischen 2.16 Uhr und 2.34 Uhr in ihrem Schlafzimmer der Erdgeschoßwohnung des Hauses in Birkenfeld angegriffen hat, indem er sie mittels eines dort aufgefundenen und von ihm ergriffenen Wollschals über einen Zeitraum von mindestens drei Minuten, wahrscheinlich jedoch fünf Minuten hinweg bis zur Bewußtlosigkeit stranguliert und schließlich im Erdgeschoßflur auf dem Fußboden liegengelassen hat.
Der Angeklagte hat diese Tat begangen. Seine Einlassung, er habe sich zur Tatzeit in seiner Wohnung in Birkenfeld-Gräfenhausen aufgehalten, wo er geschlafen habe, ist nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme als unwahre Schutzbehauptung widerlegt.
Die Überzeugung des Schwurgerichts von der Täterschaft des Angeklagten gründet sich auf eine Gesamtwürdigung der nachfolgend dargestellten Beweisergebnisse und Schlußfolgerungen:

----- An den Innenseiten der am Tatort aufgefundenen, von Vinyleinweghandschuhen, die der Täter bei der Tatdurchführung trug, abgerissenen Fingerlingteile wurden jeweils Mischspuren DNA-haltigen Materials nachgewiesen, welche in den untersuchten DNA-Merkmalssystemen Übereinstimmungen mit der vom Angeklagten stammenden Vergleichs-DNA aufweisen und somit vom Angeklagten als Mitspurenverursacher herrühren können (a);
----- am Tatort wurde eine weiße Plastiktüte mit Inhalt aufgefunden, die der Angeklagte in der Tatnacht beim Eindringen in das Tatortanwesen mit sich geführt und die er dort zurückgelassen hat (b);
----- es handelt sich um eine "Beziehungstat", wobei aus dem näheren Umkreis des Opfers Andres Z. allein der Angeklagte als Täter in Betracht kommt (c);
----- der Angeklagte war im Besitz eines Schlüssels für die Eingangstür zum Untergeschoß des Tatortanwesens (d).


a)
Die beiden noch am Tattag von dem mit der Spurensicherung befaßten Zeugen KHK Perplies im Tatortanwesen - zum einen auf dem Fußboden des Erdgeschoßflurs unmittelbar vor der der Kellerabgangstür gegenüberliegenden Flurwand, zum anderen auf dem Bettlaken der von Andrea Z. benutzten Hälfte des Doppelbettes im Schlafzimmer -aufgefundenen und sichergestellten Fingerlingteile, die von den von dem Täter bei der Tatdurchführung getragenen Vinyleinweghandschuhen abgerissen worden sind, wurden vom Sachverständigen Dipl.-Biol. Dr. Förster auf Zellantragungen untersucht. Zu diesem Zweck wurden nach den Darlegungen des Sachverständigen in der Hauptverhandlung sowohl von den Außenseiten als auch von den Innenseiten dieser Fingerlinge Vliesabriebe gefertigt. Diese Vliesabriebe wurden dann unter Anwendung des PCR-Verfahrens einer DNA-Analyse unterzogen (zu den Grundlagen der DNA-Analyse sowie der angewandten Verfahrenstechnik wird auf die obigen Ausführungen verwiesen). Eine solche DNA-Analyse unter Anwendung des PCR-Verfahrens wurde ferner an den dem Sachverständigen zur Verfügung stehenden Vergleichsblutproben von Andrea Z., Thomas H., Daniela H., Wolfgang Z. sowie an der Vergleichsblutprobe des Angeklagten durchgeführt.
Die Blutprobe des Opfers Andrea Z. wurde noch am 29.04.1997 durch den Stationsarzt der Intensivabteilung des Siloah-Krankenhauses Pforzheim, in das Andrea Z. zunächst eingeliefert worden war, entnommen und von dort nach der glaubhaften Aussage des Zeugen KHK Dürrsperger der Kriminalpolizei Pforzheim zur Verfügung gestellt. Die Entnahme der Vergleichsblutprobe bei Wolfgang Z., der sich am 14.05.1997 mit der Blutentnahme sowie mit der Zur-Verfügung-Stellung seiner Blutprobe für die vergleichende DNA-Analyse einverstanden erklärt hatte, erfolgte am 15.05.1997 durch die Ärztin Dr. Wirth im Städtischen Klinikum Pforzheim im Beisein des Zeugen KOK Kühner, wie dieser glaubhaft bekundet hat. Frau Dr. Wirth führte auch die Blutentnahme bei dem Zeugen Thomas H. durch, und zwar am 18.05.1997 im Städtischen Klinikum Pforzheim im Beisein des Zeugen KOK Kühner, wie dieser glaubhaft ausgesagt hat. Die Blutprobe der Zeugin Daniela H., der Ehefrau von Thomas H., stammt von einer gebrauchten Damenbinde, die KOK Winter nach seiner glaubhaften Aussage in der Hauptverhandlung am 29.04.1997 in der Wohnung der Eheleute H. in einem Abfalleimer im Bad gesichert hat. Diese Damenbinde der Zeugin Daniela H., die zu dieser Zeit ihre Periode hatte, enthielt nach den Darlegungen des Sachverständigen Dr. Förster in der Hauptverhandiung eine für die Durchführung einer DNA-Analyse voll ausreichende Menge von Blutantragungen. Bei dem Angeklagten schließlich erfolgte die Entnahme der Blutprobe am 16.05.1997 durch den Anstaltsarzt der Justizvollzugsanstalt Heimsheim Dr. Bahr im Beisein des dies bekundenden Zeugen KHM Jung.
Der Sachverständige Dr. Förster hat in der Hauptverhandlung ausgeführt, daß bei der Untersuchung der Vliesabriebe von den Innenseiten der sichergestellten Fingerlingteile und der genannten Vergleichsblutproben im Rahmen der DNA-Analyse u.a. eine Untersuchung der Fragment-Längenpolymorphismen der amplifizierten D 1 S80-. vWA-, TH01-, FES/FPS, FGA und SE 33 Regionen vorgenommen worden sei. Die DNA- Analysen der Vergleichsblutproben und der Vliesabriebe von den Innenseiten der Fingerlingteile hätten folgende Merkmalsbefunde erbracht, wobei - so der Sachverständige Dr. Förster weiter - ein Ergebnis in Klammern bedeute, daß kein voll beweiskräftiger Befund vorliege, ein waagerechter Strich bedeute, daß kein verwertbarer Befund vorliege, und das Unterstreichen einer Bande besage, daß diese Bande besonders stark ausgeprägt sei:
Blutprobe von Andrea Z.(die hier der Übersichtlichkeit halber nochmals aufgeführt ist):

D 1 S 80 18/28
FGA 18/23
SE 33 (29.2)/30.2
TH01 9/9.3
vWA 16/17
FES/FPS 11

 

Blutprobe von Wolfgang Z.:

 

D 1 S 80 18
FGA 20/23
SE 33 29.2/30.2
TH01 9
vWA 15/17
FES/FPS 11

 

Blutprobe von Thomas H.:

 

D 1 S 80 18/24
FGA 20/22
SE 33 24.2/30.2
TH01 9/9.3
vWA 16/17
FES/FPS 10/11

Vergleichsblut von Daniela H. (aus Damenbinde):

 

D 1 S 80 (<15/18/24)
FGA (20/22/23)24/25
SE 33 15/21.2
TH01 9/9.3
vWA 15/19
FES/FPS 12

 

Blutprobe des Angeklagten:

 

D 1 S 80 18/28
FGA 22/25
SE 33 20/25.2
TH01 6/9.3
vWA 17
FES/FPS 10

 

Vliesabrieb von der Innenseite des im Schlafzimmer der Tatortwohnung aufgefundenen Fingerlingteils:

 

D 1 S 80 18/28
FGA 18/22/23/25
SE 33 19/20/25.2/(29.2)/30.2
TH01 9/9.3
vWA 16/17
FES/FPS (10)/11

 

Vliesabrieb von der Innenseite des im Wohnungsflur des Tatortanwesens aufgefundenen Fingerlingteils:

 

D 1 S 80 -----
FGA 18/19/22/23/(24)/25
SE 33 14/(19)/20/25.2/(29.2)/30.2
TH01 6/9.3
vWA 16/17
FES/FPS 10/11

 

Zur Interpretation dieser Untersuchungsergebnisse hat der Sachverständige Dr. Förster in der Hauptverhandlung ausgeführt, daß bei der angewandten, äußerst sensitiven und damit oft den Nachweis kleinster Mengen kernhaltigen Zellmaterials ermöglichenden Untersuchungsmethode von der Innenseite des im Schlafzimmer der Tatortwohnung im Bett aufgefundenen Fingerlingabschnitts DNA habe isoliert werden können, deren mengenmäßig größter Anteil dem Tatopfer Andrea Z. zuzuordnen sei. Zusätzliche, weitaus schwächere Banden wiesen auf einen zweiten Spurenverursacher hin. Diese mengenmäßig sich an der Nachweisgrenze bewegenden Antragungen würden nicht mit den Vergleichsblutproben von Thomas H., Wolfgang Z. und Daniela H. übereinstimmen, die somit als Mitspurenverursacher ausschieden. Hingegen würden diese zusätzlichen Antragungen weitgehend mit der Blutprobe des Angeklagten übereinstimmen. Aus dem Umstand, daß bei der Untersuchung der von der Innenseite dieses Fingerlingteils isolierten DNA im TH01-System die 6er-Bande, die bei der Blutprobe des Angeklagten auftrete, nicht habe nachgewiesen werden können, sei kein Ausschluß des Angeklagten als Spurenverursacher abzuleiten, da sich die DNA-Menge des zweiten Spurenverursachers offenbar an der Nachweisgrenze bewege. Allein deshalb könne auch die - bezüglich der Innenseite dieses Fingerlingabschnitts aufgeführte - 10er-Bande im FES/FPS-System nicht als "voll beweiskräftig" eingestuft werden.
Die Innenseite des Fingerlingteils aus dem Bett betreffend ergäbe sich somit als Fazit, daß bei dieser Spur Andrea Z. Hauptspurenverursacherin sei und der Angeklagte als Mitspurenverursacher in Betracht komme, während die übrigen Personen, von denen Blutproben untersucht worden seien, als Mitspurenverursacher auszuschließen seien.
Ergänzend hat der Sachverständige Dr. Förster in Bezug auf den aus dem Bett stammenden Fingerlingabschnitt ausgeführt, daß es sich bei der bei der DNA-Analyse im SE 33-System vorgefundenen 19er-Bande, die bei keiner der untersuchten Vergleichsproben aufgetreten sei, um eine sehr schwache Bande handele, deren Intensität (= DNA-Menge) gerade im "voll beweiskräftigen" Bereich liege. Das hier nachgewiesene . geringe Zellmaterial, welches von einem anderen -dritten - Verursacher stamme, müsse nicht durch das Anziehen des Einweghandschuhs übertragen worden, sondern könne zufällig angetragen worden sein. Bezeichnend sei insoweit gewesen, daß in den anderen nicht ganz so sensitiven Untersuchungssystemen kein Hinweis auf diesen dritten Verursacher gefunden worden sei, da die DNA-Menge dafür offenbar nicht ausgereicht habe. Im übrigen handele es sich bei dem genannten 19er-Allel um eines der häufigsten Allele des Systems SE 33. Die Häufigkeit liege hier in der Größenordnung von 14 %; dies bedeute, von etwa sieben Personen zeige -statistisch gesehen - eine dieses Allel.

Der Sachverständige Dr. Förster hat im Rahmen seines in der Hauptverhandlung erstatteten Gutachtens ferner dargelegt, daß bei der Untersuchung des Vliesabriebs von der Innenseite des im Erdgeschoßwohnungsflur auf dem Fußboden aufgefundenen Fingerlingteils eine Mischspur festgestellt worden sei. Der Vliesabrieb zeige hier alle Merkmale des Tatopfers Andrea Z. mit Ausnahme der 9er-Bande im TH01 -System, die zwar im Vergleichsblut des Tatopfers, nicht aber in der Spur auftrete, woraus jedoch wegen der geringen Spurenmenge kein Ausschluß von Andrea Z. als mögliche Mitspurenverursacherin abzuleiten sei. Die zusätzlichen Merkmale, die am Vliesabrieb von der Innenseite dieses Fingerlingabschnitts nachweisbar gewesen seien, würden sich jedoch mit der Blutprobe des Angeklagten decken. Es hätten sich bei dieser Spur alle Merkmale des Angeklagten gezeigt, der somit als Hauptspurenverursacher in Betracht käme.
Die zusätzlichen in der Spur nachgewiesenen Banden - die 14er-Bande im SE 33- und die 19er-Bande im FGA-System - könnten keiner der untersuchten Personen zugeordnet werden und müßten daher von einer anderen - dritten - Person stammen. Allerdings seien diese Banden wiederum nicht stärker sondern schwächer ausgeprägt als die übrigen "voll beweiskräftigen" Banden, was darauf hindeute, daß von dem Verursacher (oder den Verursachern) dieser Banden weniger DNA übertragen worden sei.

Abschließend hat der Sachverständige Dr. Förster in der Hauptverhandlung ausgeführt, daß auf der Innenseite des im Erdgeschoß-Wohnungsflur auf dem Fußboden aufgefundenen Fingerlingabschnitts eine Mischspur nachgewiesen worden sei, wobei die prozentuale Häufigkeit der festgestellten Merkmale in der hiesigen Bevölkerung ca. 0,0025 % betrage. Von etwa 4.000 Menschen komme statistisch eine Person als Mitspurenverursacher in Frage, so auch der Angeklagte. Die Berechnung dieser Merkmalshäufigkeit basiere auf statistischen Daten aus zu Vergleichszwecken durchgeführten und publizierten Untersuchungen der Landeskriminalämter Baden-Württemberg und Hessen sowie der PTU Berlin, wobei sich die Häufigkeit eines untersuchten Merkmalsystems unter Verwendung der allgemeinen Formel für die Häufigkeitsberechnung von Phänotypen multialleler Systeme bei zwei Banden aus dem Produkt der Häufigkeit der Einzelbanden multipliziert mit dem Faktor 2 (2 ab) und bei einer Bande mit der Formel 2 a² (a = Häufigkeit der Einzelbande) errechne. Der bei den Vergleichsuntersuchungen erfaßte Stichprobenumfang habe mindestens 300 Personen betragen.

Diesen überzeugenden, jederzeit nachvollziehbaren und widerspruchsfrei dargelegten Ausführungen des Sachverständigen Dr. Förster, an dessen hervorragender Sachkunde nicht der geringste Zweifel besteht, hat sich das Schwurgericht nach eigener Überprüfung in vollem Umfang angeschlossen. Aufgrund des Ergebnisses der vom Sachverständigen Dr. Förster durchgeführten DNA-Analyse steht fest, daß an den Innenseiten der beiden im Tatortanwesen im Schlafzimmer und im Erdgeschoßflur aufgefundenen Fingerlingteile, die von vom Täter bei der Tatdurchführung getragenen Vinyleinweghandschuhen abgerissen wurden, jeweils Mischspuren DNA-haltigen Materials nachgewiesen worden sind, welche vom Angeklagten als Mitspurenverursacher herrühren können, wobei hinsichtlich der an der Innenseite des Fingerlingteils, welcher im Erdgeschoßflur aufgefunden wurde, festgestellten Mischspur von etwa 4.000 Menschen der hiesigen Bevölkerung statistisch gesehen eine Person als Mitspurenverursacher in Betracht kommt.